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Geschichte
bei der Turngemeinde 1859 Schwenningen e.V.
 

Gründungsgeschichte der »Turngemeinde 1859 Schwenningen e.V.«

 

Seit der französischen Revolution verbreitete sich verstärkt freiheitliches Gedankengut in deutschen Landen, doch ohne den Gymnasiallehrer und liberalen Demokraten Friedrich Ludwig Jahn (1778 – 1852), ein glühender Verfechter der nationalen Einheit Deutschlands, ist die Gründungsgeschichte der »Turngemeinde 1859 Schwenningen e.V.« nicht denkbar. Jahn und seine Gesinnungsgenossen waren Männer, die eine Verfassung »von Gottes und Rechts wegen« verlangten, waren Männer, die keine Untertanen, sondern freie Bürger sein wollten. 1811 gründete Jahn in der Berliner Hasenheide den ersten Turnplatz. Die deutsche Studentenschaft folgte ihm begeistert. 1819, nachdem ein Burschenschaftler den reaktionären Dichter Kotzebue ermordet hatte, kam es zum Turnverbot und zur Schließung aller bis dahin gegründeten 80 preußischen Turnanstalten. »Turnvater« Jahn galt der preußischen Obrigkeit wegen seines Einflusses auf die Jugend als Aufrührer und Umstürzler der bestehenden Ordnung. Jahn wurde von 1819 bis 1825 eingesperrt. Nach seiner Freilassung stand er noch bis 1840 unter Polizeiaufsicht.

Nachdem endlich 1842 das Turnverbot aufgehoben worden war, entstanden überall in den deutschen Ländern Turnvereine, so auch im Königreich Württemberg. Friedrich Ludwig Jahn ist als 70jähriger 1848 Abgeordneter der Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche. Die freiheitlichen Fortschrittsbestrebungen jener Jahre fanden auch in Schwenningen ihre Verfechter. Ihr herausragender Wortführer im Grenzdorf an der Neckarquelle war Fabrikant Johannes Bürk (3.7.1819 – 29.11.1872).

Bereits 1848 gründete sich der Villinger Turnverein, der jedoch schon bald darauf, durch ein weiteres Verbot während der Revolutionsjahre ab 1849, wieder aufgelöst werden musste. In den Revolutionsscharen waren Turner überproportional vertreten. Sie galten als Gegner der herrschenden Obrigkeit.

Wie entwickelte sich in diesen Jahren die Situation in Schwenningen? Zwischen den konservativen, meist reichen Bauern Schwenningens und den demokratisch gesinnten Handwerkern, erkennbar an den langen Hosen und der »Dächleskappe«, herrschten kaum erträgliche Spannungen. Die Bauern bekamen starke Unterstützung vom königlichen Oberamt Rottweil, das im Sinne der Landesregierung den seit längerem vor allem dem unter Handwerkern und Tagelöhnern bestehenden Fortschrittsbestrebungen ablehnend gegenüber stand. Diese geistig-politischen Gegensätze bestimmten das gesellschaftliche Dorfleben. Es gab zu diesem Zeitpunkt nur einen geselligen Verein in Schwenningen, der ebenfalls vor dem Hintergrund der damaligen Freiheitsbestrebungen entstanden war: der 1837 gegründete Gesangverein »Liederkranz«.

Die 1841 in Schwenningen gegründete Realschule nahm 1845 erstmals das Turnen im Lehrplan auf. Der erste Turnplatz befand sich an der Metzgergasse, nördlich der Stadtkirche, später an der unteren Schützengasse am Vorderen See. Die Turnbegeisterung nahm trotz weiterhin bestehenden obrigkeitlichen Misstrauens zu und endlich, im Jahr 1859, kam es zur Gründung der »Turngemeinde 1859 Schwenningen e.V.«.

Im Juli 1859 setzten sich zwanzig Erstmitglieder zusammen und unterschrieben die pünktlich vorbereitete Gründungs-Satzung. Zu den ordentlichen Gründungsmitgliedern gehörten neben Uhrenfabrikant Johannes Bürk der Messerschmid Thomas Weyler, der Kaufmann Erhard Müller-Osiander, der Chirurg und Zahnarzt Martin Schlenker, die Uhrenmacher Leopold Emminger, Joseph Schmid, Jakob Bürk, Josef Handmann, Xaver Heiss, Andreas Jäckle, Christian Schlenker und G. Wenzler. Dazu kamen der Kaufmann und Seifensieder Johannes Mauthe, der Haberhändler Paul Kohler, der Konditor Christian Mauthe, Kronenwirt Jakob Mauthe, der Kaufmann Johann Georg Bürk, der Metzger Christian Strohm im Metzgergässle, der Bärenwirt und Bierbrauer Jakob Müller, Reallehrer Friedrich Haag. Als »Zögling« wird der damals 14jährige Benjamin Bürk genannt.

Die größte Gruppe der Vereinsgründer waren neben Uhrenfabrikant Johannes Bürk selbstständige Gewerbetreibende, denen sich Uhrenmacher aus der Fabrik Bürks hinzugesellten. Auch während der folgenden 60er und 70er Jahre bildeten Geschäftsleute die Mehrheit der Vereinsmitglieder. Die nächst größere Gruppe waren die Uhrenmacher, Gesellen und Fabrikarbeiter. Ein Uhrenschildmaler findet sich ebenfalls unter ihnen. Später nahmen die Fabrikarbeiter überproportional zu.

Sofort nach der Gründung trat die Turngemeinde Schwenningen dem Schwäbischen Turnerbund bei. Kameradschaft mit den umliegenden Vereinen wurde gepflegt, so mit Schramberg und Tuttlingen. 1860 erhielt die TG ihre erste Turnerfahne. Eine Sammlung unter den damaligen Mitgliedern machte es möglich. Sie ergab 46 Gulden und zwei Kreuzer. Fahnenweihe war am 7. Oktober 1860, verbunden mit dem ersten größeren Turnfest. Im April 1861 zogen 32 Schwenninger Turner nach Villingen, zur dortigen Gründung des Turnvereins.

Ein paar schwierige Jahre folgten. Dies änderte sich 1866 mit der Wahl von Benjamin Bürk zum 1. Vorstand der Turngemeinde. Die »Ära Bürk« der TG-Vorstände begann, eine Ära, die über 70 Jahre andauern sollte. Benjamin Bürk amtete bis 1876. Ihm folgten Richard Bürk (1876 – 1884), Hugo Bürk (1884 – 1909) und Alfred Bürk (1909 – 1936).

Soweit eine Übersicht zur Gründungsgeschichte der Turngemeinde. Sie feierte im Jahr 2009 ihr 150jähriges Bestehen. In einer Festschrift konnte der interessierte Leser die ganze Geschichte des Vereins nachlesen.

 

Siegfried Heinzmann

Johannes Bürk     Benjamin Bürk     Richard Bürk
Gründer und Initiator der Vereinsgründung, Johannes Bürk     Benjamin Bürk, Erster Vorstand der Turngemeinde aus der Bürk-Familie     Richard Bürk, Erbauer der Bürk-Turnhalle

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